Auch die so genannte "Co-Abhängigkeit" gehört zu dem langtrainierten und anerzogenem Fehldenken einer oftmals schlichtweg unsicheren Menschengruppe.
Und ist zum Glück wieder "verlernbar"!
Co-Abhängigkeit:
Bitte beachten Sie, daß ausschließlich ein Arzt oder Therapeut
nachstehende Diagnose stellen kann:
"Co-Abhängigkeit in Verbindung mit einem Partner,
der eine Abhängigkeitserkrankung hat"
Was ist das genau und wie sind die Symptome?
Zunächst fühle ich mich dazu verpflichet, darauf aufmerksam zu machen, daß es diverse Co-Abhängigkeiten und Ursachen hierfür gibt. Lediglich eine davon ist o.g. Diagnose.
Der Fachbegriff lautet : "Co-Dependency"
Dann erinnere ich ausdrücklich daran, daß ich selbst betroffen war und es mir daher nicht schwerfällt, "Co-Abhängigkeit" ohne nenneswertes Schamgefühl anzufassen.
Im gleichen Atemzug will ich den extrem belastbaren Charakterzug der Co-Abhängigen darstellen.
Kurz:
All diese wären garantiert zur Leitung eines Großunternehmens befähigt. Hier spricht man auch von "Managerkrankheit".
Damit Ihr Leben tatsächlich lebenswert wird, müssen Sie diesen zweifelhaften Ruhm jedoch zwingend ablegen.
Dieses ist mit nachstehenden Fakten durchaus mehr und mehr erreichbar.
Aus eigener Erfahrung und auch aus zahlreichen Gesprächen, welche ich in den vergangenen Jahren in Selbsthilfegruppen und während diverser anderer Aktivitäten geführt habe, ist die daraus sich ergebene Quintessenz:
"Der alkoholisierte Partner führt Regie und Sie sind seine Marionette!"
Dabei sind Sie längst von anderen auf sein Trinken angesprochen worden - doch viel vorher wußten Sie, daß mit seinem Alkoholgenuß irgendetwas nicht stimmt.
Zu oft, zu viel, zu regelmäßig! Oder auch:
Immer öfter, immer mehr, immer regelmäßiger
Wie alle anderen Mitbetroffenen, handeln Sie nun genau wie ich früher nach folgendem Schema:
Damit Ihr Partner keinen Grund findet, noch mehr zu trinken, noch mehr zu schreien, noch deutlich aggressiver zu werden, arbeiten Sie dafür noch mehr und noch mehr.
Achtung: So lassen sich zunehmend auch dadurch mehr und mehr erniedrigen!
Beispiel: Er liegt wieder betrunken auf der Couch während Sie gehetzt gegen die Zeit ankämpfen. Denn auch Ihr Tag hat nur 24 Stunden und dieser Tag sollte doch schön werden. Wenigstens einer nach unendlich vielen bedrückten Tage.
Diese eben geschilderte Situation ist ihnen garantiert nicht fremd!!! Zunemend tragen Sie die alleinige Verantwortung für ihren gesamten Alltag und zunehmend haben Sie keine Zeit für sich oder Ihre Freunde oder Ihr Hobby.
Doch Ihr Einsatz bringt gar nichts!
Es wird alles permanent schlimmer. Und Sie wissen nicht konkret warum. Langsam ahnen Sie jedoch, daß Sie bald am körperlichen und geistigen Limit sind.
Sie träumen von Ruhe und sehnen sich die Zeit zurück, in der Sie noch nicht diese grinsende Maske trugen und Sie noch fröhlich und guter Dinge in die Welt schauten.
Immerhin leisten Sie doppelte und dreifach Arbeit. Und dies oft seit Jahren!
Trotzdem hoffen Sie stets, daß er endlich aufhört.
Aufhört zu trinken und aufhört zu schreien und aufhört jähzornig Dinge durch die Gegend zu werfen und aufhört... und aufhört.... und aufhört.
Allein in Deutschland leben über 2,4 Millionen Menschen in Co-Abhängigkeit und ahnen meist nicht, daß Sie selbst dazu beitragen, daß es Ihnen immer schlechter geht.
Sie unternehmen allenfalls zaghafte Versuche, einen Rat einzuholen. Meist sind das beispielsweise lediglich "Geredefetzen" aus irgendwelchen Zeitungsblättchen.
Nichts Konkretes, nichts Fassbares, um sich selbst und schlimmer noch möglicherweise vorhandenen Kindern zu helfen.
Hier kommt leider das fälschlich anerzogene Schamgefühl zu Wort. Hier erinnere ich erneut an die Kinder, die das Elend miterleben müssen.
Ein solches Kind war die oder der heutige Mitbetroffene meist selbst.
Er fand damals Vater und/oder Mutter oftmals betrunken vor. Selbst Jahre später,will heißen: Bis heute hat er den fauligen Geruch noch nicht vergessen. Insbesondere nicht die unsichere Körperhaltung und die verwaschene Sprache dieser Menschen.
Dabei sollten diese Personen, die eigentlich Vorbilder sein sollten.
Hier, in der oft eigenen Erfahrung, liegt nun aber leider der größte Verteidigungsakspekt der bereits mehrfach angesprochenen "Co-Abhängigen" in Verbindung mit Partnern, die Abhängigkeitserkrankungen aufweisen.
Der nächste Verteidigungspunkt ist: Das "Helfersyndrom"" Auch wenn Alkoholsucht kein Thema in der eigenen Kindheit war, liegt eine Wesensart bei allen "Co-Abhängigen" einheitlich vor:
Die Betroffenen haben grundsätzlich ein sogenanntes "Helfersyndrom". Meist ist diese extreme Hilfsbereitschaft anerzogen und ernährt sich unbemerkt und tief verborgen im mangelnden Selbstwertgefühl.
Das meist erfolgreich getarnte und dennoch ausgesprochen geringe Selbstwertgefühl des mitbetroffenen Partners, ist eine der, wenn nicht sogar die Hauptursachen für die "Co-Abhängigkeit".
Für Mitbetroffenen ist es sehr einfach, ihre soziale Kompetenz mittels der Alkoholsucht des Partners zu steigern. Überall wird er wegen seiner tatkräftigen Unterstützung und wegen seiner Selbststängigkeit, gleichsam seiner Aufopferung - seiner Selbstlosigkeit bewundert. Er ist ein Held. Ein Idol!
Hier ist natürlich zu beachten, daß jeder gesunde Mensch das Bedürfnis nach Anerkennung hat und auch gerne hilfsbereit ist.
Allerdings ist bei 3,7 % der Gesamtbevölkerung - vermutlich aufgrund gestörter Familienverhältnisse in der Säuglingszeit - eine übertriebene, abnorme Hilfsbereitschaft (Helfersyndrom) nachweisbar.
Diese ist meist gekoppelt mit deutlich erhöhtem Anspruch auf Anerkennung - was oft erst im Erwachsenenalter von statistischen 28 Jahren zum Ausdruck kommt. Auffallend ist hier besonders der überhöhte Anspruch an eigener Perfektion.
Hier wird deutlich fehlende Zuwendung in der Säuglingszeit als Ursache gesehen.(Mein Buchvorschlag hier:" Das Kind in uns", von John Bradshaw)
Solche Menschen können sich fast ausschließlich nur über/durch andere identifizieren.
Hirnforscher, Psychiater und Psychologen untersuchen weltweit, warum das menschliche Gehirn, daß Unterbewußtsein, derart "nachtragend" ist. (siehe auch: "Wer ist der Boss in meinem Kopf?", Welt der Wunder Magazin, Ausgabe Septemer 2007
Das Helfersyndrom ist in Verbindung mit dem schwachen Selbstwert das ideale Mittel um mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit zu erhalten.
Dies meint nicht unbedingt nur zärtliche Fürsorge - nein es reicht leider schon das geringste Gefühl, von den anderen registriert zu werden.
Dies ist ein höchst bedauerlicher Zustand!
Detaillierte Darstellung zum besseren Verständnis:
Gewöhnlich werden die Patienten unmittelbar nach Feststellung der Diagnose der "Co-Abhängigkeit im Zusammenhang mit der Abhängigkeitserkrankung des Partners" - allermeist Alkohlmissbrauch - mit diesem Befund konfrontiert.
Empörte Äußerungen sind durchweg die Reaktion darauf. Ebenfalls sind dann die Aussagen stets vergleichbar und klingen dann ähnlich wie folgende:
"Was fällt diesem Arzt ein? So etwas zu behaupten?!" Zudem kommt allermeist die sichere Behauptung: "Immerhin läge ihr Fall mit Sicherheit komplett anders".
Sie wollten lediglich Kraft tanken und lernen, wie sie künftig besser mit dem Partner umgehen können, um ihn dann vom Alkohol - zumindest in dieser Menge bzw. Regelmäßigkeit - wegzubringen.
Daß es ihnen selbst so schlecht ging - und fast am Limit ihrer körperlichen und geistigen Kraft waren/sind haben sie in dieser Form nicht geahnt.
Weil die Symptome so sehr diffus sind, ist das Feststellen der psychosomatischen Erkrankung erschwert und meist langwierig.
Die Beschwerden sind ausgesprochen vielfältig und ähneln leicht anderen, möglicherweise ernsten, organischen Erkrankungen.
Beispiele sollen sein:
Migräne, Mager- und Fettsucht, Angstneurosen aber auch Burnout.
Der Betroffene registriert diese oft nicht, weil er es nicht zuläßt. Nicht zu lassen kann. Schwäche passt nicht zum Helfersyndrom.
Im Krankheitsfall könnte er seine Helferrolle nicht mehr durchhalten. (Dies alles geschieht unbewusst)
Das direkte Umfeld des Betroffenen, sprich Familie, Freunde, Arbeitskollegen und vielleicht die Nachbarn bemerken Verhaltensänderung des Co-Abhängigen meist schnell. Dazu gehören auch:
Permanent wiederholte Bewegungen - etwa Streichen der Haare aus dem Gesicht, gereitzte Grundstimmung, Erheben der Stimme, Rückzug von bislang liebgewonnenen Aktivitäten beispielsweise ein Hobby, keine Zeit für gar nichts.
Diese Auflistung könnte endlos gehen. Fakt ist:
Der "Co-Abhängige" ändert sich auffällig. Und hier schrillen die Alarmsignale seines Umfeldes und es kann passieren, daß genau dieser bislang gewohnter Rahmen seinen Rückzug anmeldet. Der Grund hierfür iegt dann ausschließlich in der permanenten Überforderung des Personenkreises. Denn dieser wurde ungefragt in die Passiv-Rolle gesetzt und aus dieser wird keine Hilfestellung möglich.
Das Verhalten des Co-Abhängigen stößt diese Menschen unbeabsichtigt zurück. Jedoch bemerkt er sein Fehlverhalten nicht.
In meinem Buch
"Zusammen besiegen wir den Alkohol", erschienen im BoD-Verlag, habe ich die Karriere der "Co-Abhängigkeit" in sich schlüssig und nachvollziehbar verdeutlicht.
Zur Klärung Ihrer eigenen Situation empfehle ich zusätzlich folgende Bücher:
"Co-Abhängigkeit nicht erkannt und falsch behandelt", von Anne Wilson-Schaef erschienen im Boegner-Kaufmann-Verlag
und/oder
"Die heimliche Unterstützung der Sucht" , von Reinhold Assfalg erschienen im Neuland-Verlag.
Oder wenden Sie sich einfach, beispielsweise, an eine der folgenden Selbsthilfegruppen:
Auch bei den Internet-Foren steht die Anonymität auf Wunsch im Vordergrund.
Achtung!
Die Alkoholkrankheit betrifft jede soziale Schicht!
Ist also keine Krankheit etwa der Arbeiterschicht ausschließlich. Folglich ist sie keine "Gossenerkrankung" - nur unbehandelt kann man sehr schnell darin landen.
Wenn Sie einen kompetenten Telefonpartner bevorzugen, erreichen Sie ihn Rund um die Uhr unter:
0800 111 0 111
0800 111 0 222
Das sind kostenlose und anonyme Telefonnummern der Telefon-Seelsorge in Deutschland. Es wird zudem auch Beratung im Internet angeboten.: